Brauerei Joh. Humbser Fürth gegründet im Jahre 1782 und die Schließung erfolgte im Jahre 2008.
Hauptstandort: Schwabacher Straße 106, Gesellschaftsform ab 1904 OHG und ab 1922 AG
Die Brauerei Joh. Humbser war eine der fünf großen und bekanntesten Brauereien in Fürth. Die Humbser-Brauerei war die ausstoßstärkste unter den Fürther Brauereien und nach der Übernahme der Weißbierbrauerei Burgfarrnbach führend in der Weizenbier-Produktion. Der Vertrieb im Inland sowie der Anteil am Export ins Ausland war der größte unter allen Fürther Braustätten. Besonders beliebt waren die hopfigeren Sorten, wie das Vollbier „Hell“ und das Pils. Geheimrat Hans Humbser prägte als Präsident des Deutschen Brauerbundes von 1913 bis 1926 das deutsche Brauwesen und engagierte sich wie seine Eltern in Fürth als wohltätiger Stifter.
Der eigenen Firmenchronik zufolge ist die Familie Humbser eine alteingesessene und weitverzweigte Brauerfamilie, deren Ursprung bis in das 10. Jahrhundert zurückgreift und sich über Ansbach, Forchheim, Nürnberg und Fürth erstreckt,leider wurden in der Firmenchronik keine weiteren Quellen angegeben, so dass der heute erste schriftliche Nachweis des Namens Humser aus den Pfarrbüchern der Gemeinde Roßtal aus dem 16. Jahrhundert stammt. Hier wird beschrieben, dass etwa 1600 der Landwirt Jakob Humser nach Weinzierlein zog und vor Ort mit dem Bierbrauen begann. Sein Sohn Johannes Humser heiratete am 20. Januar 1650 Apollonia Hofmann, die Tochter des verstorbenen Bierbrauers Johann Hofmann aus Weinzierlein, so dass das Brauwesen in Weinzierlein seinen Fortbestand hatte. Johannes Humser stirbt 1679, sein Sohn Johann Georg Humbser 1719 in Weinzierlein. Noch heute finden sich ehemalige Gebäudeteile der alten Brauerei in Weinzierlein.
Erstmalig findet sich der Name Humser (noch ohne B im Namen) in Fürth im Jahr 1746. Hier kam ein gewisser Johann Adam Humser (jun.) nach Fürth als zweiter Sohn des gleichnamigen Vaters aus Weinzierlein. Er heiratete die Brauereitochter Margarete Hörlein aus Fürth, deren Vater wiederum ebenfalls Braumeister und Gerichtsschöffe war und nach seinem Tod der Tochter und dem Schwiegersohn die Brauerei vererbte. Bei der sog. Hörnlein´schen Braustätte handelt es sich um die Gebäude Gartenstraße 16/Wasserstraße 9 – der späteren Wirkungsstätte der Brauerei Grüner.

Die Chronik der Brauerei Humbser
Am 19. Januar 1782 heiratet Wilhelm Humbser, Neffe des Johann Adam Humser (jun.) und Sohn des Brauers Paul Humbser aus Weinzierlein, die Witwe Margarethe Ursula Streeb. Margarete Streeb war die Witwe des Georg Streeb, Braumeister der Streeb´schen Brauerei in der heutigen Bäumenstraße. Mit der Heirat gewinnt der Name Humbser in Sachen Bier in Fürth dauerhaft an Bedeutung. Die Streeb´sche Brauerei war zu dem Zeitpunkt bereits eine der ältesten noch bestehenden Brauereien. Margarete Streeb, jetzt Humbser, überlebte auch Wilhelm Humbser, der 1806 in Fürth verstarb. Erneut fiel ihr die Brauerei zu, die aber dem jüngsten Sohn Johann Michael Humbser im Jahr 1818 übergeben wurde. Der am 5. April 1794 geborene Johann Michael ehelichte im Jahr 1818 Gertraud Margaretha Schmidt, deren Mitgift zur Hochzeit 12.000 fl. betrug.
1746: Erste Namensnennung der Familie Hum(b)ser in Fürth.
1782: Am 19. Januar 1782 heiratet Wilhelm Humbser die Witwe Margarete Ursula Streeb und übernimmt die sog. Streeb´sche Brauerei, damalige Adressbezeichnung: „alte neue Gaß/Altneugaße“ Nr. 422. Ab diesem Moment bleibt die Brauerei in der Familie Humbser.
1818: Der Sohn Johann Michael Humbser übernimmt nach dem Tod des Vaters die Brauerei (damalige Adressbezeichnung: Altneugasse Nr. 422 und Nr. 423).
1840 – 1853: Vom 26. Februar 1840 bis 8. Januar 1853 wird der Felsenkeller unterhalb der Brauerei gegraben – ohne Unfall, damalige Adressbezeichnung: „Neuestraße“ 349 und 350.
1861: Die zweite Generation Humbser übernimmt die Geschäftsführung: der Sohn Johann Martin Humbser.
1876: Am 1. März kommt es zu einer Brandbeschädigung der Malzdarre und des Wohnhauses in der Bäumenstraße. Johann Martin Humbser benötigt zur Expansion des Braugeschäftes mehr Platz. Hierzu erwirbt er in der Schwabacher Straße ein Grundstück.
1887/ 1888: Bauarbeiten in der Schwabacher Straße. Auf dem vor knapp 10 Jahren gekauften Grundstück entsteht die neue Humbser Brauerei.
1888: Mit der neuen Brauerei setzt sich die Brauerei Humbser an die Spitze der Fürther Brauereien. Erstmals setzt die Brauerei mehr als 70.000 Hektoliter Bier pro Jahr ab.
1905: Statt der bisherigen Pferdewägen werden erstmals motorgetriebene Lastwägen für die Bierauslieferung verwendet.
1911: Das Jugendstil-Sudhaus an der Schwabacher Straße wird nach Plänen der Gebrüder Rank errichtet und kostet seinerzeit mehr als das Fürther Stadttheater.
1922: Umwandlung in eine Aktiengesellschaft
1930: Die Brauerei setzt zwei Kältekompressoren ein mit einer Tagesleistung von ca. 1.000 Zentnern Kunsteis. Zum Export des Bieres wurden inzwischen verschiedene Eisenbahnkühlwaggons und 20 Lastwagen angeschafft. Die Abfüllanlage erreicht eine Stundenleistung von ca. 14.000 Flaschen.
1946: Erweiterung der Brauerei und Abriss der Humbser-Villa
1953: 100-jähriges Bestehen der Keller in der Bäumenstraße. Die ehem. Brauerei wird noch als Mälzerei genutzt. Pro Jahr verarbeitet die Brauerei Humbser ca. 60.000 Zentner Malz.
1967: Fusion mit der Brauerei Geismann – neue Firmenbezeichnung Brauerei Humbser-Geismann AG. Der Bierausstoß liegt bei 300.000 Hektoliter Bier/Jahr.
1971: Eine der größten Abfüllstraßen der Welt geht in der Fürther Südstadt in Betrieb. Pro Sekunde können 20 Flaschen bewältigt werden. Somit gehen ca. 72.000 Flaschen pro Stunde vom Band.
1972: Insgesamt acht Brauereien umfasste die Patrizier-Bräu AG mit Sitz in Nürnberg, in der auch Humbser-Geismann, Fürth, aufging.
1980: Abriss der alten Braustätte in der Bäumenstraße für das neu entstehende Einkaufszentrum City-Center.
1994: Fusion mit der Tucher Bräu, Nürnberg; unveränderter Weiterbetrieb der Braustätte Humbser-Geismann.
2007: Letztmalig Brauereifest auf dem Humbser-Gelände in der Südstadt
2008: Verlagerung der Tucher-Brauaktivitäten an den neuen Standort an der südlichen Stadtgrenze. Die letzte der „großen fünf“ historischen Fürther Brauereien wird stillgelegt.
2012: Abbrucharbeiten der ehem. Humbser Brauerei für eine Wohnbebauung mit Ausnahme des Sudhauses.
2014: Verkauf des ehem. Sudhauses und der Malzböden an die Nürnberger Immobilienfirma MIP.
2015: Eröffnung der Malzböden, eine Mischnutzung der verbliebenen Gebäude für Gastronomie, Gewerbe und Wohnen.
Humbser Abriss im Feb. 2013
Nach Ende des Brauereibetriebes und dem Wegzug von Tucher wurden schnell Pläne für eine Neuordnung bzw. Neubebauung des Areals bekannt. So sollen zur Schwabacher Straße hin mehrgeschossige Wohnbauten quasi als Lärmschutz für die dahinterliegende, höherwertige Bebauung mit Stadtvillen und Einfamilienhäusern entstehen. Von den alten Brauereigebäuden bleibt nach aktueller Planung lediglich das Sudhaus mit Anbau, die zwei Pförtnerhäuser sowie ein Teil der historischen Sandsteinmauer an der Dambacher Straße erhalten. Dies ist als besonders kritisch zu sehen, da auf dem Gelände weit mehr erhaltenswerte Gebäude aus der Entstehungszeit der Brauerei vorhanden waren und aufgrund der Größe des Geländes ein Abriss nicht zwingend nötig erschien. Zwei neu entstehende Straßen sollen an die Fürther Brauereitradition erinnern (Johann-Geismann-Straße und Grünerstraße). Im Dezember 2014 wurde bekannt, dass die noch verbliebenen markanten Gebäude der ehem. Brauerei an der Schwabacher Straße an eine Nürnberger Immobilienfirma verkauft wurden. Der neue Eigentümer, MIP Immobilien-Verwaltungs GmbH & Co. KG, plant die Gebäude zu einer Mischnutzung zwischen Gewerbe und Wohnen umzubauen. Der Name für die Immobilie lautet: Malzböden. Eine Benennung nach der ursprünglichen Brauerei Humbser wurde bewusst vermieden, da man künftig im Sudhaus erneut eine Bierbraustelle plant, diese jedoch aus rechtlichen Gründen nicht den alten Namen tragen darf, so dass eine „neutrale“ Namensgebung notwendig wurde. Im August 2016 gab der Eigentümer gegenüber der Presse die künftigen Mieter an. Es handelt sich dabei um die Redaktion, Geschäftsstelle und Anzeigenverwaltung der Fürther Nachrichten, das Fahrradgeschäft South Park Cycles, das Klavierhaus Kreisel, ein Erlanger Künstler mit seinem Atelier, eine Event- und Marketingargentur, eine Steuerberatungsgesellschaft, eine Apotheke, ein IT-Unternehmen, ein Yoga-Studio sowie ein Nürnberger Design- und Grafikstudio. Neben der ehemaligen Brauerei wird zusätzlich ein neues Gebäude entstehen, in dem 34 Wohneinheiten Platz finden werden. Im Erdgeschoss ist ein Biosupermarkt geplant,Fertigstellung soll ca. Mitte 2017 sein.

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1 Liter Steinkrug um 1910
Februar 2013 Abriss
Vor dem Abriss der Brauerei Humbser im Februar 2013.